Martin…oder: Die andere Hälfte vom Mantel

Allerorts ziehen in diesen Tagen die Mar­tin­szüge durch die Straßen.<br /​>
Das ver­an­lasst mich doch heute, am Gedenk­tag dieses Heili­gen, ein paar Gedanken hier niederzuschreiben.<br /​>
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<a class=’serendipity_image_link’ href=‘http://www.blauelakritze.de/uploads/Fotos/sankt_martin.jpg’><!– s9ymdb:232 –><img width=“110” height=“109” style=“float: left; bor­der: 0px; padding-left: 5px; padding-right: 5px;” src=“http://www.blauelakritze.de/uploads/Fotos/sankt_martin.serendipityThumb.jpg” alt=”” /></a>Mit Bernd und seinem kleinen Sohn Carl war ich am Woch­enende beim Mar­tin­szug. Nach der Runde durch den Stadt­teil endete der Umzug an der Kirche, wo ein großes Mar­tins­feuer loderte. Und wie in jedem Jahr ritt der stolze Mar­tin auf seinem prächi­gen Schim­mel umher, um — qua­si als hüb­sch anzuschauen­des Brauch­tums-Gim­mick — dann doch noch seinen pur­pur­nen Man­tel zu teilen. Teilen? Nix da — denn unser Mar­tin machte es sich ganz ein­fach: Da wurde nichts geteilt, der Man­tel blieb ganz. Nur das Schw­ert glitzerte imposant im Schein der Flam­men, als der Reit­er — schwup­pdi­wupp — ein weit­eres Man­tel­teil unter seinem unversehrten Umhang her­vorza­uberte und es dem Bet­tler über­re­ichte. Ein “Zweit­man­tel” zum Ver­schenken sozusagen…<br /​>
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Was ist denn das für ein Sankt Mar­tin? Nicht geteilt, son­dern vom Über­fluss ein kleines Stückchen abgegeben?<br /​>
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Diese Szene hat mich nach­den­klich gemacht. Ist es das, was wir heute unter “teilen” ver­ste­hen? Was soll der ganze Spuk mit Lat­er­nen, Liedern und Mar­tins­feuern — wenn es nicht mehr ums Teilen geht, son­dern darum, ein kleines Stück vom Über­fluss abzugeben?<br /​>
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Wie mag das wohl damals gewe­sen sein, als der stolze römis­che Sol­dat seinen Man­tel zerschnitt?<br /​>
Da war der Glanz, das per­fek­te Out­fit, das Sta­tussym­bol erst ein­mal dahin. Auch Mar­tin war wohl geze­ich­net vom Teilen — ein hal­ber, zer­ris­sener und aufgeschlitzer Man­tel macht doch nichts mehr her! Ob er wohl auch ein wenig gefroren hat? Oder belächelt wurde ob sein­er ruinierten Kleidung?<br /​>
Was mögen seine Sol­daten­fre­unde gesagt haben? “Wie siehst du denn aus?” — “Wie läuf­st du denn herum?”<br /​>
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Geteilt ist erst geteilt, wenn der, der etwas abgibt auch <em>wirklich</em> etwas von sich ver­schenkt. So, dass man auch sieht und spürt und merkt: Ich habe geteilt.<br /​>
Ver­ste­ht mich nicht falsch: Es geht mir nicht darum, mit Wohltätigkeit zu prahlen.<br /​>
Aber ist unser Teilen heute nicht halb­herzig gewor­den? Ist es allzu “wohldosiert”? Gebe ich nur, wenn ich mir sich­er sein kann, auch nach­her noch “satt und genug” zu haben? Teilen als soziales “Wohlfüh­ler­leb­nis” für Schenk­ende und Beschenkte?<br /​>
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Das kann’s doch irgend­wie nicht sein, oder?

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