alter Kram! — 1.0

logo_flm1Zugegeben — es ist schon eine ganze Weile her, dass ich mit ein­er Fre­undin im Freilicht­mu­se­um Neuhausen (ob Eck) war. Genau gesagt schon gut und gerne acht Monate.
Aber ich möchte hier gerne noch ein paar Gedanken und Ein­drücke auf­schreiben, die mich doch bewegt haben damals.
Außer­dem habe ich einige schöne Fotos gemacht, die ich euch ja nicht voren­thal­ten möchte! :o)

So ein Freilicht­mu­se­um ist eben so, wie ein Freilicht­mu­se­um so ist: Jede Menge alte Häuser und Höfe mit jed­er Menge alter Sachen drin. Und viel schöne Natur drumherum. So ist es auch in Neuhausen.
Hört sich vielle­icht lang­weilig an, iss­es aber gar nicht!
Zugegeben — ich schaue mir sehr gern solche alten Häuser an. Ich finde, sie haben immer viel zu erzählen. Ich tauche dann mit ihren Geschicht­en in eine andere Welt ein — eine Welt ohne Strom und fließen­des Wass­er, ohne Handy, Lap­top oder PlaySta­tion. Eine “ein­fache” Welt vielle­icht — aber im Grunde doch eher eine Welt voller Mühen und Arbeit und Entbehrungen.

 

Diese alten Häuser inspiri­eren mich dann, mir vorzustellen wie ich zurechtkom­men würde, wäre ich plöt­zlich in diese ver­gan­gene Wkammerelt zurück­ver­set­zt.
Meine geräu­mige Sin­gle-Woh­nung würde ich ein­tauschen gegen eine Schlaf­stelle im zugi­gen Mehrbettz­im­mer. Nix mit eigen­em Badez­im­mer, kusche­ligem Bett, prak­tis­ch­er Ein­bauküche oder gar Privatsphäre!

fangdiemaus

 

Und neben meinen men­schlichen Mit­be­wohn­ern gäbe es ganz bes­timmt noch einige andere (…und weniger erwün­schte) Unter­mi­eter in mein­er Kammer…

 
Schnell wird klar, wie selb­stver­ständlich ich heutzu­tage die Annehm­lichkeit­en des “mod­er­nen Lebens” sehe. Aber ist mod­ern denn immer auch bess­er? Nun gut: Sauberes Wass­er aus der Leitung, Strom aus der Steck­dose und ein funk­tion­ieren­des WC in erre­ich­bar­er Nähe — das sind keine Errun­gen­schaften, deren Sinn mann in Zweifel stellen kann. Aber wieviel Luxus braucht der Men­sch? Und: Kann es nicht auch Luxus sein, mit Weniger auszukommen?

einkaufenIch frage mich beim Anblick dieser alten Sachen immer: “Was brauche ich eigentlich wirk­lich? Und was von all­dem, was ich da in mein­er Woh­nung horte, ist wirk­lich notwendig?”
Manch­mal wün­sche ich mir ein “ein­fach­es” Leben — irgend­wo in der Natur, in einem kleinen Häuschen mit Garten und alten Bäu­men drum­rum. Mit wenig Schnickschnack und wenig Kram. Aber ziem­lich schnell wird mir auch klar: Das würde ich ohne ein Min­i­mum an “tech­nis­chen Errun­gen­schaften” gar nicht lange aushal­ten. Ver­mute ich zumin­d­est — denn aus­pro­biert habe ich es noch nie.

 

hierriechtsNach drei, vier Stun­den bin ich dann wieder aufge­taucht aus meinen Nos­tal­gie-Gedanken. Angekom­men beim Muse­ums-Aus­gang, der mich in null-kom­ma-nix wieder in die Gegen­wart befördert hat. Zurück zu Handy, Digi­cam und kli­ma­tisiertem PKW.
“Ein schön­er Nach­mit­tag!”, da sind wir uns einig. Aber auch schön-nach­den­klich, schön-inter­es­sant und schön-im-Grünen.

unterwegs mit Chris

Gestern war Christoph zu Besuch bei mir in der Klinik. Das war natür­lich sehr cool und eine willkommene Abwech­slung am son­st zuweilen lang­weili­gen Woch­enende. Außer­dem hat er mir noch einige Sachen von zuhause mit­ge­bracht, an die ich bei aller Eile des Kof­fer­pack­ens nicht gedacht hatte.

Nach­dem wir also gemein­sam in der Klinik zu Mit­tag gegessen hat­ten, haben wir uns bei super-Son­nen­schein aufgemacht in die Wein­berge. Naja, eigentlich woll­ten wir ja nicht in die Wein­berge, son­dern zum ehe­ma­li­gen Regierungs­bunker. Den woll­ten wir uns anschauen und auf dem Weg dor­thin noch ein, zwei Geo­Caches suchen.

Nach etwa zwanzig Minuten bergauf (keuch!) kamen wir dann an — am ehe­ma­li­gen “Auswe­ich­sitz der Ver­fas­sung­sor­gane der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land”. Eine Fas­sade aus Beton, Beton, Beton und Stahl — sehr eigen­tüm­lich in der anson­sten grü­nen Umge­bung des Waldes — fällt den Besuch­ern des Muse­ums Regierungs­bunker sofort ins Auge. Um 14.30 Uhr kon­nten wir an ein­er Führung durch den Bunker teil­nehmen. Die Wartezeit haben wir uns mit einem kühlen Getränk und einem kleinen Abstech­er in Rich­tung “Bunker­cache” verkürzt.

BU3Am Bunker war viel los, so dass sich vor und hin­ter uns etliche andere Grup­pen befan­den, die sich das Bauw­erk auch anschauen wollten.
Es war schon sehr unheim­lich, durch die vie­len Stahltüren und ‑tore zu gehen und in dieser tun­nelar­ti­gen Röhre immer weit­er in das Innere des Bergs vorzudringen.

BU2Die Geschichte des Bauw­erks ist recht inter­es­sant: Um 1914 begann man mit dem Tun­nel­bau für eine strate­gis­che Eisen­bahn­lin­ie vom Ruhge­bi­et nach Lothrin­gen. Diese Eisen­bahn­lin­ie wurde aber nie fer­tiggestellt, und so wurde der Tun­nel, der zwis­chen Ahrweil­er und Der­nau etliche Kilo­me­ter durch den Berg ver­lief, ander­weit­ig genutzt. Zur Zeit des zweit­en Weltkriegs beispiel­sweise als Pro­duk­tion­sstätte für Waf­fen. Auch KZ-Häftlinge mussten hier arbeiten.

Nach dem Krieg wur­den dann die Eingänge sowie einige Teile des Tun­nels von den fanzö­sis­chen Stre­itkräften gesprengt — halb­herzig und ohne großen Schaden anzuricht­en, wie sich später her­ausstellen sollte.

BU1 BU5In den 50er Jahren schon wurde mit den Pla­nun­gen und Über­legun­gen für den Bau ein­er solchen Anlage begonnen. Alles natür­lich: “Streng geheim!” In den 60er Jahren begann dann der eigentliche Aus­bau. Der dauert bis 1970. Es entste­ht ein unterirdis­ches Bauw­erk mit vie­len Gän­gen, Schächt­en und Verbindun­gen, die eine Gesamtlänge von ca. 17 km haben. In manchen Bere­ichen ist der Bau sog­ar zweigeschos­sig: im unteren Bere­ich sind Büros und Räume mit offiziellen Funk­tio­nen, im oberen Stock­w­erk liegen Schlafräume und San­itäre Anla­gen der “Tun­nel­be­wohn­er”.

BU4Nach dem Ende des “Kalten Krieges” fiel in den 90er Jahren der Entschluss, die Bunker­an­lage im Ahrtal stil­lzule­gen. Sämtliche Ein­rich­tun­gen und Aus­baut­en soll­ten schrit­tweise zurück­ge­baut wer­den. Mit diesem Unternehmen wurde 2001 begonnen. Nach fünf Jahren war der größte Teil dieses beein­druck­enden Bauw­erks ver­schwun­den — sog­ar die Farbe wurde von ein­er Fir­ma mit Spezial­gerät von den Tun­nel­wän­den entfernt!

Am 1. März 2008 öffnete das Muse­um seine Pforten. Nur ein klein­er Teil der Anlage (etwa 400 m) ist vom Rück­bau ver­schont geblieben; in ihm wur­den Räume und Büros ein­gerichtet (mit Inven­tar aus dem alten Bunker), die heute als Muse­um dienen.

Mehr Infos über den “Auswe­ich­sitz” find­et ihr auf dieser Web­seite.
Lei­der ist das Fotografieren in der Anlage nicht erlaubt. Darum stelle ich hier einige Bilder ein, die eben­falls von o.g. Web­seite stammen.

Achso: Natür­lich ging unsere Wan­derung dann noch weit­er! Nach dem Bunker kamen die Caches, die wir nach kurz­er Suche (oder ganz ohne Suche!) auf­stöbern kon­nten. Dann noch einen leck­eren Kaf­fee auf dem Markt in Ahrweil­er getrunk­en — was will man mehr? Ein per­fek­ter Samstagnachmittag.

Veerse Meer

vee2 vee1 vee4Heute bin ich ein wenig durch die Gegend gedüst. Zuerst zu Fuß — eine kleine Strandwanderung.

Dann mit dem Auto in Rich­tung Veerse Meer.
Zwis­chen­sta­tion mein­er Tour war dann der Fähran­leger nahe Kam­per­land, wo natür­lich zu dieser Jahreszeit nix los war. Dafür ein schön­er Blick auf das Städ­chen Veere am gegenüber­liegen­den Ufer.

vee7 vee5 vee3Auf der Rück­fahrt habe ich dann nicht die Nation­al­straße über den Damm genutzt, son­dern eine kleine Par­al­lel­straße. Das ermöglichte mir, auch mal anzuhal­ten, um die Gegend zu erkun­den und eine der Brück­en zu nutzen, um einen Blick auf die “richtige” Nord­see zu werfen.

…mal wieder Oostkapelle

Ja — es ist mal wieder so weit: Eine Woche Auss­pan­nen in Oost­kapelle in Zeeland!
Wenn ihr fleis­sige Blog-LeserIn­nen seid, ken­nt ihr diesen wun­der­schö­nen Ort an der nieder­ländis­chen Nord­see ja schon aus eini­gen mein­er vorheri­gen Beiträge.
Grad’ im Moment bin ich nicht so blog-eifrig und schreibe nur sel­ten — aber ich will euch ein paar Fotos und Ein­drücke aus meinem Urlaub nicht vorenthalten.

Da es uns in unser­er anges­tammten Strand­bude, dem “Piraat” im Moment nicht wirk­lich behagt (…es stinkt nach Lack, Farbe und komis­chem Holzschutzmit­tel) haben wir uns mal (probe­weise!) im “West­kap” ein­genis­tet… ist zwar ein wenig zu ele­gant für meinen Geschmack, aber der Aus­blick, der Apfel­strudel und der Chocochi­no sind wirk­lich klasse!

Außer­dem ist es beim “West­kap” nicht so sandig wie beim Piraat… und man kann (wenn man will!) mit dem Auto bis vor die Tür fahren!

abgebaggert

Am Dien­stagabend juckt es mich irgend­wie in den Fin­gern — ich will noch etwas unternehmen, nach­dem ich den Nach­mit­tag mit einem aus­giebi­gen Spazier­gang ver­bracht habe.

Kurz­er­hand entschließe ich mich, zum “Braunkohle­loch” zu fahren: der Tage­bau Garzweil­er II ist nur wenige Kilo­me­ter von Odenkirchen entfernt.
Ich kurve durch Sasserath, Hack­hausen und Hochneukirch und ste­he, nach­dem die kleine Straße die A 46 über­quert, plöt­zlich vor dem Riesen­braunkohle­loch… “Ging es hier früher nicht nach Holz?” frage ich mich — ver­w­erfe den Gedanken aber wieder angesichts der von kleinen Hügeln und mächti­gen Furchen geprägten Mond­land­schaft, die mich umgibt. Die Straße endet abrupt. Nach ein­er schar­fen Linkskurve führt der Weg weit­er — immer ent­lang am Tagebaurand.

Erst ein­mal parke ich mein Auto. Ich schlän­gle mich an der Absper­rung vor­bei (…die nie­man­den ern­sthaft aufzuhal­ten ver­mag, der wirk­lich vor­bei will) und erk­limme einen der kleinen, von Bull­doz­ern aufgeschüt­teten Hügel. Es bietet sich ein bizarres Panora­ma. Das san­fte Licht der Abend­sonne erleuchtet den Tage­bau. Schein­bar nur wenige Meter ent­fer­nt von mir (tat­säch­lich wer­den es schon so 100 Meter sein) ragt ein riesiger Bag­ger aus dem Nichts her­vor. Ein unwirk­lich­es aber stetiges Rauschen und Sum­men liegt in der Luft. Ich bin irri­tiert — aber klar: Bag­ger, Schaufel­räder, Förder­bän­der… alles ist in Betrieb und läuft und lärmt vor sich hin. Das Loch ist riesig, die Maschi­nen und Fahrzeuge (mal abge­se­hen von den Braunkohle­bag­gern, die auch aus der Ent­fer­nung wie Mon­sterkrak­en aus Stahl ausse­hen) scheinen ver­schwindend klein und die Geräusche drin­gen nur schwach hin­auf zu mir.
Ich schieße ein paar Fotos, während sich (wie immer an diesem Ort) in meinem Kör­p­er ein undefinier­bares Gefühl der Bek­lem­mung breitmacht…

“Hal­lo? Haaa-llooo!” ruft eine Frau in meinem Alter mir vom Straßen­rand zu: “Da hin­ten ist eine Aus­sicht­splat­tform, da kön­nen sie noch mehr sehen!”
Sprach’s und walk­te stöck­eklap­pernd weit­er. Ich gehe die weni­gen Schritte zurück zum Auto und fahre ein kurzes Stück, bis ich einen niegel­nagel­neuen Park­platz und eine Art Aus­sicht­ster­rasse erre­iche. Von hier aus ist der Aus­blick wirk­lich noch bess­er — und noch bek­lem­mender und noch gigan­tis­ch­er. Bis zum Hor­i­zont erstreckt sich der Tage­bau mit seinen Ter­rassen, Erd­schicht­en, kilo­me­ter­lan­gen Förder­bän­dern und den riesi­gen Bag­gern. Auf der west­lichen Seite wird “abge­bag­gert”, während im Osten das Tage­bauloch schon wieder zugeschüt­tet wird. Die Wolken aus Wasser­dampf, die aus den Kühltür­men des Kraftwerks Frim­mers­dorf emporsteigen, wer­den von der sink­enden Sonne in selt­same rosa-Farbtöne getaucht.

Ich frage mich, wie viele Ton­nen Erdre­ich, also Abraum, man weg­bag­gern muss, um eine Tonne Braunkohle zu fördern. Und ich frage mich, wie viel Energie — denn darum geht es ja let­z­tendlich — in so ein­er Tonne Braunkohle steckt, die da im Kraftwerk ver­feuert wird… Ger­ade fällt mir ein, dass ich vor vie­len Monat­en hier in meinem Blog ja schon­mal was über die Kraftwerke geschrieben habe…

Ja, näm­lich HIER!

Wie energiehun­grig sind wir, unsere Städte, Büros oder Haushalte — dass man ganze Land­striche ein­fach abbag­gert, um an die begehrten Rohstoffe zu gelangen?
Gedanken­ver­loren lasse ich meinen Blick schweifen, weit­er nach West­en, wo vor nicht allzu langer Zeit noch die Auto­bahn die Land­schaft zerteilt hat. Jet­zt ist sie — fast spur­los — ver­schwun­den. Und noch etwas fehlt: Ich kann den alten Wasser­turm von Holz gar nicht ent­deck­en. Ich kneife die Augen zusam­men und suche den Hor­i­zont ab… außer ein paar Win­drädern und Baum­grup­pen nichts zu sehen.
Heute erfahre ich aus dem Inter­net: Der Holz­er Wasser­turm wurde vor knapp sechs Wochen gesprengt… jet­zt rück­en die Bag­ger vor… Schon komisch, dass auch dieses wei­thin sicht­bare Bauw­erk nun aus der Land­schaft ver­schwun­den ist… Genau wie all’ die Häuser und Höfe der Ortschaft Holz, die ein­fach vom Erd­bo­den ver­schwun­den sind…
Bei YouTube habe ich einen Film ent­deckt, der über den alten Wasser­turm berichtet. Und über die Spren­gung am 22. Jan­u­ar 2011:

Fröstel­nd steige ich, nach­dem ich etliche Minuten die Far­ben, For­men und Ein­drücke des Tage­baus in mich aufgenom­men habe, wieder in mein Auto. “Nach Hause navigieren” sagt mein Tom­Tom, ja — das ist ein­fach: immer geradeaus!
Die Sonne versinkt als leuch­t­end rot­er Ball am Hor­i­zont. Ich sitze im Auto und suche eine Stelle zum Anhal­ten, damit ich noch ein paar Fotos machen kann. Wirk­lich Minuten­sache ist es dann, noch ein paar schöne Auf­nah­men zu machen, bevor die Sonne endgültig verschwindet.

Muziek, Muziek, Muziekcentrale

Gestern war der Tag! Blauer Him­mel, Son­nen­schein, gute Laune und fast genug Geld auf’m Kon­to… also nix wie los nach Ittervoort!

Itter­voort ist so unge­fähr da, wo man das Ende der Welt ver­mutet — kurz hin­ter der Gren­ze im nieder­ländis­chen Lim­burg, wo es zwar ziem­lich viel Land­schaft (seeehr schön!) und ziem­lich viele dahin­rasende LKW gibt, aber wo son­st irgend­wie der Hund begraben zu sein scheint.
Nun — was um alles in der Welt zieht mich nach Itter­voort? Ich sag’s euch — das hier:

Adams1Wie der Titel schon sagt: dies ist die “Muziek­cen­trale Adams”. Von außen betra­chtet ein eher nüchtern­er Gewer­be­bau. Park­plätze satt und immer­noch Son­nen­schein. Also nix wie raus aus dem Auto und rein ins Vergnü­gen! Naja, ein wenig mul­mig war mir schon, weil ich so gar nicht wusste, was mich drin­nen erwartet.

Mit einem leisen “Wwwwwusch!” schwingt die elek­trische Ein­ganstür auf und ich betrete den “Laden”. Naja, “Laden” ist hier wohl hoff­nungs­los unter­trieben! Ein riesiges Gebäude mit (min­destens) zwei Eta­gen und lusti­gen und weniger lusti­gen Musikin­stru­menten, wohin das Auge blickt! Ein Flötistin­nen­schlaraf­fen­land! (…übri­gens auch eins für Trompeterin­nen, Posaunistin­nen oder Hor­nissen… ;o) )
Der Ein­gangs­bere­ich (der allein schon dreimal so groß ist wie meine gesamte Woh­nung) ist men­schen­leer. Eros Rama­zot­ti singt mir uner­müdlich aus den Deck­en­laut­sprech­ern ent­ge­gen, während ich mich unsich­er umse­he… nie­mand da?
Hin­ten, in einem gemütlichen Café-Bere­ich sitzen zwei Her­ren — und eine Dame, die sich lächel­nd auf den Weg zu mir macht.
Nach ein­er kleinen inter­na­tionalen Begrüßung (mit deren Hil­fe wir die zu ver­wen­dende Sprache gek­lärt haben) trage ich mein Anliegen vor: Ich möchte eine neue Quer­flöte kaufen.
“Ja seehr schöön. Da find­en sie hier bes­timmt was…!” sagt sie mit char­man­tem nieder­ländis­chen Akzent und zwinkert mir zu. Sie greift zum Tele­fon. “Da rufe ich mal den Peeeeter, der ist unser Mann für die Kweerflüiten.”

Peter, der Quer­flöten­mann, ist ger­ade noch beschäftigt. Ich set­ze mich ins Café und ziehe mir bei der “Zelf­be­di­en­ing” einen Chocomel. Mhhhm, lecker!

Mit mein­er knall­gel­ben Kakao­tasse in der Hand wan­dere ich durch die große Halle:Es gibt laAdams4uter kleine gläserne “Zim­mer”, für jede Art von Instru­ment eines (oder gar mehrere, wie bei den Quer­flöten)! Lange, helle Gänge verbinden die einzel­nen Glasz­im­mer. Man kann also über­all die met­allisch-glitzern­den Blech­blasin­stru­mente funkeln sehen. Klar, Flöten, Klar­inet­ten und Sax­o­phone gibt’s auch. Und Pauken und aller­hand Schlag­w­erk! Große, riesen­große Instru­mente, deren Namen nicht­mal ich weiß. (Wiki sagt: Susaphon)
Eine Augen- und Ohren­wei­de für jeden Blas­musik­er — hier gibt’s wirk­lich für jedes Tschingderas­sas­saaa das passende Instrument!

 

Peter kommt und führt mich mit­samt mein­er Chocomeltasse in einen Raum, dessen Ein­gang mit “Euro­pean Flute Cen­tre” beschriftet ist. Ich komme mir etwas deplaziert vor, was aber beim Anblick all der tollen (und toll-teuren!)Adams2 Instru­mente schnell verge­ht. Peter checkt ab, was ich mir denn so vorstelle (“Kein Mod­ell für 10 000 Euro!”) und bringt mir nach und nach zehn ver­schiedene Flöten zum Probe­spie­len. Dann macht er die Türen zum Glasz­im­mer zu und lässt mich in Ruhe… Erst mal anguck­en, anfassen, rein­pusten… Uii­i­ii! Ich packe die mit­ge­bracht­en Noten aus und beginne mit Tele­mann auf ein­er Pearl-Flöte. Gut, dass die Kabi­nen recht schalldicht sind… hab ich diesen Tele­mann doch offen­sichtlich sehr lange nicht geübt.…
Adams3Als näch­ste ist eine aufge­motzte Flöte mit tausend Gravuren und gold­en­em Mund­stück dran — naja, überzeugt mich nicht… und ist auch irgend­wie etwas protzig. Nach der drit­ten Flöte werde ich kon­fus — welche hat­te ich schon, welche noch nicht? Ich erfinde ein Sys­tem (Kopf­stück rechts- oder linksrum) für Instru­mente, die noch drin sind oder schon aus­geschieden. Und eine interne Ran­gliste der Flöten auf dem gewell­ten Ablagegestell…
Ich bin schon bei den ersten Ver­suchen total erstaunt, welch einen Unter­schied ich zu mein­er alten Flöte bemerke: Die neuen Instru­mente sprechen viel leichter an, der Klang ist fül­lig, die ganz hohen und die ganz tiefen Töne “kom­men” wie von selb­st! Phantastisch!

 

Adams5Ich pro­biere bes­timmt einein­halb Stun­den die ver­schiede­nen Flöten aus. Einige sortiere ich schnell aus, bei anderen dauert die Wahl etwas länger. Das ist wirk­lich gar nicht so ein­fach! Immer­hin kauft man so ein Instru­ment nicht alle Nase lang!
Schließlich liegen nur noch zwei Flöten mit dem Kopf­stück nach links. Zwei Pow­ell-Sonaré — die eine voll­ständig aus Sil­ber, die andere mit Voll­sil­ber-Kopf­stück und ver­sil­bertem Flöten­rohr. Eine Frage des Geldes, wie sich an diese Stelle zeigt. Ich mache eine kleine Chocomel-Pause und gehe in mich. Dann spiele ich nochmal. Bei­de super. Bei­de toll. Aber die sil­berne… wow, die klingt schon klasse!

Schließlich fällt die Entschei­dung doch recht schnell (…immer­hin habe ich noch ein neues Fahrrad auf mein­er Wun­schliste… und will es ja auch nicht übertreiben!) und Peter nickt zufrieden: “Schönes Instru­ment. Guter Klang. Auch gute Qual­ität. Ja.…”
Während meine neue Flöte noch kurz zur “Inspek­tion” in die hau­seigene Werk­statt gebracht wird, erledi­ge ich an der Kasse die Finanzen. Zufrieden und voller Vor­freude auf “meine neue” ver­bringe ich die Wartezeit mit einem weit­eren Chocomel und betra­chte ein wie zufäl­lig vor­beilaufend­es Kaninchen.

Mit einem leisen “Wwwwwwusch!” öffnet sich die Aus­gangstür… bes­timmt habe ich beim Hin­aus­ge­hen gegrinst wie ein Honigkuchenpferd, das bunte Flöten­paket zufrieden unter den Arm geklemmt.

So, und damit das hier nicht unendlich wird, mache ich mal Schluss und schreibe dem­nächst einen weit­eren Artikel über — meine neue. Flöte.

abhängen

Ich muss euch unbe­d­ingt noch von meinem neuen “Möbel­stück” bericht­en, das ich seit eini­gen Wochen in mein­er Woh­nung habe!dh1Es ist ein gigagemütlich­er Hänge­ses­sel von “Tucano”, den ich bei San­dra und Ver­e­na ent­deckt und mir dann (…nach einiger Bedenkzeit — wie kön­nte es anders sein) auch bestellt habe!
Aber bis das Teil endlich fix und fest mon­tiert war und ich darin gemütlich entspan­nen kon­nte, war es noch ganz schön spannend!

Es fing schon mit der Liefer­ung an. Her­mes sollte das Paket brin­gen, aber ich war nicht zuhause. Im Briefkas­ten fand ich eine Benachrich­ti­gungskarte: “Sie kön­nen Ihr Paket im Kiosk Köl­ner Straße 28 abholen.” Hä? Paket im Kiosk? Was für’n Kiosk? Sehr strange…
Ich also dreimal die Köl­ner Straße rauf und runter gefahren, bis ich den winzi­gen Laden mit türkischem Namen ent­deckt hat­te. Auto geparkt, nix wie rein.

Der fre­undliche Ladenbe­sitzer händigte mir dann — nach Vor­lage des Benachrich­ti­gungss­cheins — mein Paket aus… welch­es etwa genau­so lang war wie ich, glück­licher­weise aber nicht genau­so schw­er… Mit einiger Geduld gelang es mir sog­ar, das sper­rige Paket in meinem japanis­chen Klein­wa­gen zu ver­stauen und die paar Meter bis nach Hause zu fahren.

dh5 Zuhause angekom­men wurde natür­lich schnell aus­gepackt: Wun­der­bar! Alles kom­plett! Und wirk­lich schöne Far­ben und ein toller, sta­bil­er Stoff. Sehr beein­druckt hat mich vor allem aber der Hak­en, mit dem der Hänge­ses­sel an der Decke aufge­hängt wer­den sollte: Das Ding war bes­timmt 18 cm lang und richtig schw­er… Wie ich den in die Beton­decke bekom­men sollte, war mir rätselhaft…

Bis zur Lösung des Rät­sels vergin­gen sage und schreibe dreiein­halb Wochen, in denen der Hänge­ses­sel samt Zube­hör unten in meinem Klei­der­schrank liegen musste. Von wegen: Schaukeln und Relaxen…
Dann kam Frenc mit sein­er ulti­ma­tiv­en Boschschlag­bohrmas­chine, einem beein­druck­enden Werkzeugkas­ten und einem unver­wüstlich opti­mistis­chen Lächeln im Gesicht.
“Wo soll das Ding denn hin?” fragte er, nach­dem wir mit lautem Getöse die Alu-Leit­er aus der Abstel­lka­m­mer manövri­ert hatten.

Mein Blick zur Decke, hin zu einem imag­inären Punkt, den ich für die richtige Stelle zum Bohren hielt. Frencs Zeigefin­ger wan­dert über die Rauh­fas­er: “Hier? Oder noch ein biss­chen mehr… nach hier?”
Die Bohrmas­chine heult auf. Ich ste­he unten und ver­suche, den herumwirbel­nden Staub aufzusaugen. Vor­sichtig geht der Bohrer weit­er in die Decke. Dann auf ein­mal: ros­t­brauner Staub.
Frenc set­zt den Bohrer ab und grum­melt. “Das war wohl die falsche Stelle…” Ich bin zwar etwas ent­täuscht, aber heim­lich doch froh, dass wir nicht doch auf etwas schlim­meres als einen Eisen­träger gestoßen sind (…Strom, Wass­er, Abflussrohr… ja, ja — die sind nor­maler­weise nicht an solchen Stellen).

Der zweite Ver­such schleßlich gelingt. Der Bohrer heult, es staubt ohne Ende, ich sauge konzen­tri­ert und Frenc summt zufrieden. Dübel rein (…auch ein Riesen­teil), Hak­en festgedreht.
“Da kann man einen Ele­fan­ten dran aufhän­gen”, meint der kom­pe­tente Handw­erk­er lächelnd.

dh2Ich traue dem Brat­en noch nicht. Nach­dem wir alle zur Aufhän­gung notwendi­gen Teile mon­tiert haben (Fed­er und Drehwirbel mit­samt der Kara­bin­er­hak­en) kommt der feier­liche Moment: Der Stoff­ses­sel wird aufge­hängt! Wow!
Wer macht den Prax­is­test? Ich schicke Simi (4) vor. Er hüpft in den Ses­sel und qui­etscht begeis­tert. Han­na (6) hüpft hin­ter­her. Kleines Handge­menge im Hänge­ses­sel: “Heee, geh von meinem Bein runter, das tut weh!” Der Hak­en hält.

Dann Kinder raus und Mama Andrea rein.“Voll gemütlich!” — und der Hak­en hält immernoch.
Schließlich Andrea raus und Gabi rein.
Immer­noch gemütlich und: Test bestanden! (…vielle­icht hat Frenc ja doch recht mit sein­er Elefanten-Prognose…).

Zur Feier des Tages dann der absolute Härtetest: Gabi, Simi und Han­na im Hänge­ses­sel — und es schaukelt wie bei Wind­stärke 7 auf der Nord­see. Der Hak­en hält.
Ich bin zufrieden und klet­tere — in Erwartung viel­er gemütlich­er snoo­zle-Stun­den im Hänge­ses­sel — wieder zurück auf fes­ten Boden.

100 Punk­te für Frenc, den Mann mit der Bohrmas­chine. Und ein dick­es “Dankeschön!”

dh3Damit ihr euch auch ein Bild machen kön­nt, wie mein toller neuer Ses­sel aussieht, habe ich einige Fotos gemacht. Lei­der ist es etwas schwierig, mich selb­st im Hänge­ses­sel sitzend zu fotografieren — dankenswert­er­weise hat sich Lucy als Mod­ell zur Ver­fü­gung gestellt. Sie hat auch gle­ich die wichtig­sten Dinge mit­ge­bracht, die man für einen gemütlichen Abend im Hänge­ses­sel braucht: Schöne Musik auf den Ohren, ein span­nen­des Buch zum Lesen und dicke Sock­en, damit es auch schön warm und kusche­lig ist!

sunny weekend

Das war ja mal ein Woch­enende ganz nach meinem Geschmack!
Mal abge­se­hen davon, dass ich schon ab Don­ner­stag frei hat­te (*hüs­tel*) stimmte auch alles weit­ere, vor allem das Wetter.
Und so beschlossen Chris, Ver­e­na und ich, am Sam­stag eine kleine Geo­Caching-Runde einzulegen.

Gesagt — getan: Nix wie los in Rich­tung Rhein! In Langst-Kierst stell­ten wir dann das Auto ab, ganz in der Nähe sollte es die ersten bei­den Cache­do­sen geben.
Vorher noch eine kleine Stärkung am Eis-Mobil, dann ab in die Büsche zum Dosen­suchen. Dort am Rhein­ufer gab es — wie ihr euch vielle­icht denken kön­nt — unzäh­lige Steine (kleine, ganz kleine und ganz große), von denen jed­er ein poten­zielles Cache-Ver­steck darstellte. Doch alles Suchen war vergebens… bis Ver­e­na nach etwa 27 Minuten auf ein verdächtiges Plas­tikob­jekt stieß, dass sich schnell als super­ein­fall­sre­ich getarntes Cachev­er­steck ent­pup­pte! Yip­pi! Deck­el auf, Dose raus und — loggen!

Der zweite Cache am Lang­ster Fährhaus war dafür umso schneller ent­deckt. Ich war noch unge­fähr einen hal­ben Kilo­me­ter weit ent­fer­nt und hantierte mit mein­er Kam­era herum, da grin­ste Ver­e­na schon wieder bre­it und ich wusste: “Sie hat die Dose!”. So war’s dann auch.

Jet­zt stand die aben­teuer­liche Rheinüber­querung an, denn alle weit­eren Dosen ver­bar­gen sich am Kaiser­swerther Ufer. Nach eini­gen Über­legun­gen, ob wir nun ein Floß bauen, einen jet-Ski-Fahrer kid­nap­pen oder doch lieber schwim­men soll­ten entsch­ieden wir uns dann für eine Über­fahrt mit der ger­ade zufäl­lig vor­beis­chwim­menden Fähre.
Den Fahrpreis von Eineu­rozwanzig kon­nten wir noch gut verkraften — in Gegen­satz zu den See­mannsliedern, die Ver­e­na anstimmte, sobald sie einen Fuß auf das Schiff geset­zt hatte.

“Wie viel Meter sinds noch?” — diese Frage wieder­holte sich etwa im 2‑Minuten-Takt. Chris antwortete stets brav — das Cache-Eisen immer im Blick.
Der näch­ste Cache führte uns zu den alten Mauern der Kaiser­swerther Kaiserp­falz. Ehrlich gesagt war ich sehr über­rascht, solch ein imposantes Bauw­erk (wenn auch eine Ruine) aus Basalt­stein hier vorzufind­en… Ein biss­chen googeln lehrt mich, dass die Ursprünge dieses Bauw­erks bis ins Jahr 700 zurück­ge­hen. Bar­barossa baute die Pfalz dann mächtig um (im 12. Jh.) und aus — um den armen Schif­fern auf dem Rhein for­t­an in Kaiser­swerth ordentlich Zoll­geld abzuknöpfen.

Jeden­falls war die Cache-Dose am alten Gemäuer nach einiger Suche auch ent­deckt — zwar nicht irgend­wo zwis­chen den Steinen, wie man auf den ersten Blick ver­mutete , son­dern im Ast­loch eines Baumes auf der nahe gele­ge­nen Allee. Das schaute mich ziem­lich verdächtig an und kurz­er­hand wurde Ver­e­na, das Fliegengewicht, ein­fach von mir zur Ast­ga­bel hochge­hievt, um mal die Lage zu check­en — mit Erfolg!

Ein län­ger­er Fuß­marsch erwartete uns, um zu unser­er let­zten anvisierten Dose zu gelan­gen. Auf dem Dis­play des Garmin sah es recht nah aus — in Wirk­lichkeit gab es einen 10m tiefen “Abgrund”, den wir erst ein­mal umwan­dern mussten, um in das Gelände zu gelan­gen. Auch dort kon­nten wir die Dose schnell find­en — dies­mal hat­te ich den richti­gen Riecher!
Mit­tler­weile war es schon nach 14 Uhr und wir alle drei hat­ten mächti­gen Pommes-Hunger. Lei­der war Kaiser­swerth zur Mit­tagszeit abso­lut übervölk­ert von Schickim­ick­i­tus­sis und Touris­ten im Seniorenalter.

So zock­el­ten wir eher ziel­los über den Markt, wieder in Rich­tung Rhein — als und das “Bötchen” fast an der Ufer­prom­e­nade in den Blick kam: Ein kleines Fen­sterchen im alten Gemäuer, aus dem eine fre­undliche Dame schaute und ein sehr ver­führerisch­er Sup­pen­duft in unsere Nasen strömte.
Erb­sen­suppe, Kartof­fel­suppe, Gulaschsuppe, Bock­wurst — und vor allem: Möhren durcheinan­der! Für jeden von uns was dabei! Also nix wie ran — und einen leck­eren Freiluft-Mit­tagss­nack verspeist.

Gegen 15 Uhr waren wir dann wieder auf der Fähre, die uns zurück auf die “richtige” Rhein­seite brachte. Dies­mal war Ver­e­na erstaunlich still — weil müde — und so mussten wir die Über­fahrt ohne musikalis­che Unter­malung über­ste­hen… Die Rück­fahrt wurde auch recht still… mal abge­se­hen von Christoph’s Autora­dio, aus dem uns munter die Stimme von Frau Töp­per­wien ent­ge­gen­schallte, die schon nach eini­gen Minuten das erste Schalk­er Tor bejubelte… gegen Borussia.

“Naja”, dachte ich mir, “man kann an einem solchen Tag nicht alles haben… schönes Wet­ter, nette Gesellschaft, viele gefun­de­nen Cache­do­sen und leckere Suppe… und dann auch noch einen Sieg der Borus­sia…” Egal — schön war’s, so oder so!

EDIT: Lei­der sind die Fotos nur in Thumb­nail-Größe vorhan­den. Sorry!

Enke

Auf ein­mal sind sie alle da: fast 40 000 trauernde Fans in der Are­na von 96 und viele Tausend vor den Flim­merk­isten der Repub­lik, die Kol­le­gen aus der National­mannschaft, die hohen Her­ren des deutschen Fußballs, die Fernse­hfuzzis und die Schreiber­linge, nicht zu vergessen die vie­len Fotografen mit dem Fin­ger am Aus­lös­er, Fußball­begeis­terte und Sensationshungrige.
Alle wollen sehen, was passiert; mit­bekom­men was es zu sehen gibt, den Schauer sel­ber spüren, der wohl jedem angesichts dieser Geschichte über den Rück­en läuft.
Ich bin wütend. Wütend und wütend.
Warum glotzt ihr jet­zt? Warum zückt ihr jet­zt eure Kam­eras und Notizblöcke? Warum macht ihr jet­zt betrof­fene Gesichter und hüllt euch in Trauer­flor? Warum sprecht ihr jet­zt sal­bungsvolle Worte? Warum ste­ht eure ver­dammte Fuss­bal­welt jet­zt erst still — wenn auch nur für einen Augenblick?
Warum habt ihr nicht schon vorher hingeschaut?
Da war ein­er, der super-Spitzen­sportler, der 1a-Tor­mann, der Spiel­er in der National­mannschaft, das Vor­bild viel­er junger Hob­by­kick­er — der nach außen hin ein­wand­frei funk­tion­iert hat.
Und innen in ihm drin nichts als Dunkel­heit? So dunkel, dass es keinen Ausweg als den in den Fre­itod gegeben hat?
Kein­er hat was bemerkt? Kein­er wollte was merken? Ich glaub das ein­fach nicht…

Was wohl passiert wäre, wenn er den Mut gehabt hätte, offen über seine Krankheit zu sprechen? Das “Kind beim Namen zu nen­nen”? Es zu wagen, das Tabu zu brechen und zu sagen: “Ja, Leute — ich habe Depressionen.”?
Ich bin mir sehr sich­er, dass die gle­iche Garde von Jour­nal­is­ten, Fernseh- und Zeitungs­fuzzis, die Fan­clubs und Nord­kur­venbe­such­er und sich­er auch der ein oder andere toughe Spiel­er der Nationalelf dann milde aber ver­ständ­nis­los geläch­let hätte. Dann die Bleis­tife gespitzt, um bis­sige Kom­mentare auf die Titel­seit­en der Zeitun­gen zu brin­gen. Die Kam­eras klick­en ließe, um das beste und intim­ste Foto des Portag­o­nis­ten Gewinn brin­gend an die Regen­bo­gen­presse zu verscherbeln.
Ich bin mir sich­er, dass viele, viele sich den Mund zer­ris­sen hät­ten über den Schwäch­ling mit den Depris, bin mir sich­er, dass sich nur wenige die Mühe gemacht hät­ten zu ver­ste­hen, was wirk­lich abge­ht. Und ich bin mir sich­er, dass der gläzende und makel­lose Spitzen­fußballer for­t­an für den Rest sein­er Kar­riere gebrand­markt gewe­sen wäre — mit dem Stem­pel “depres­siv” (…was ja all­ge­mein gle­ichzuset­zen ist mit: ziem­lich durchgek­nallt und nicht zu gebrauchen).

Also hat er es anders gemacht. Seine Krankheit, sein Leid geheim gehal­ten vor der Öffentlichkeit und wahrschein­lich auch vor vie­len anderen Men­schen, die ihm näher standen als der gemeine 96er-Fan oder Samstagabendbundesligaglotzer.
Welche Masker­ade muss da gespielt wor­den sein, welch per­fek­tes Ver­steck­piel, was für eine großar­tige Tar­nung — gute Miene zum bösen Spiel?
Nein, das Spiel heißt nicht Fußball. Dies­mal nicht.

Es heißt Depres­sion. Und darum spricht man nicht darüber. Darum lässt man sich nichts anmerken. Darum bringt man den let­zten Rest Energie auf, um eine per­fek­te Tar­nung aufrecht zu erhal­ten, um weit­er zu funk­tion­ieren, wie es gerne gese­hen wird.
Damit nie­mand etwas merkt. Damit man nicht abgestem­pelt wird zum Ver­sager, zum Weichei, zum Spin­ner, zum Psycho.
Du kannst alles haben heutzu­tage — aber bitte keine Depres­sio­nen. Das geht gar nicht.
Wir erwarten ein lachen­des Gesicht. Wir wollen keine schlechte Stim­mung. Wir wollen die harten Ker­le, die tough­en Sportsmän­ner, die “Allzeit-Bere­it­en”, die Gewinner.
Ver­dammt nochmal — was ist das für eine Welt, in der man offen­sichtlich nur mit Maske existieren darf?
Mich schock­iert das — bei einem Sportler wie Robert Enke umso mehr, als dass er im Ram­p­en­licht stand und offen­sichtlich nie­mand bemerkt hat, wie es wirk­lich in ihm aus­ge­se­hen hat.
Per­fekt getarnt. Rolle gut gespielt. Real­is­tis­che Masker­ade. Immer weit­er weg von sich selb­st und sein­er Krankheit.

Und nach­her so weit weg, dass es keinen Weg mehr zurück gab? Nur den, der auf die Bah­n­gleise führte?

Martin…oder: Die andere Hälfte vom Mantel

Allerorts ziehen in diesen Tagen die Mar­tin­szüge durch die Straßen.<br /​>
Das ver­an­lasst mich doch heute, am Gedenk­tag dieses Heili­gen, ein paar Gedanken hier niederzuschreiben.<br /​>
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<a class=’serendipity_image_link’ href=‘http://www.blauelakritze.de/uploads/Fotos/sankt_martin.jpg’><!– s9ymdb:232 –><img width=“110” height=“109” style=“float: left; bor­der: 0px; padding-left: 5px; padding-right: 5px;” src=“http://www.blauelakritze.de/uploads/Fotos/sankt_martin.serendipityThumb.jpg” alt=”” /></a>Mit Bernd und seinem kleinen Sohn Carl war ich am Woch­enende beim Mar­tin­szug. Nach der Runde durch den Stadt­teil endete der Umzug an der Kirche, wo ein großes Mar­tins­feuer loderte. Und wie in jedem Jahr ritt der stolze Mar­tin auf seinem prächi­gen Schim­mel umher, um — qua­si als hüb­sch anzuschauen­des Brauch­tums-Gim­mick — dann doch noch seinen pur­pur­nen Man­tel zu teilen. Teilen? Nix da — denn unser Mar­tin machte es sich ganz ein­fach: Da wurde nichts geteilt, der Man­tel blieb ganz. Nur das Schw­ert glitzerte imposant im Schein der Flam­men, als der Reit­er — schwup­pdi­wupp — ein weit­eres Man­tel­teil unter seinem unversehrten Umhang her­vorza­uberte und es dem Bet­tler über­re­ichte. Ein “Zweit­man­tel” zum Ver­schenken sozusagen…<br /​>
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Was ist denn das für ein Sankt Mar­tin? Nicht geteilt, son­dern vom Über­fluss ein kleines Stückchen abgegeben?<br /​>
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Diese Szene hat mich nach­den­klich gemacht. Ist es das, was wir heute unter “teilen” ver­ste­hen? Was soll der ganze Spuk mit Lat­er­nen, Liedern und Mar­tins­feuern — wenn es nicht mehr ums Teilen geht, son­dern darum, ein kleines Stück vom Über­fluss abzugeben?<br /​>
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Wie mag das wohl damals gewe­sen sein, als der stolze römis­che Sol­dat seinen Man­tel zerschnitt?<br /​>
Da war der Glanz, das per­fek­te Out­fit, das Sta­tussym­bol erst ein­mal dahin. Auch Mar­tin war wohl geze­ich­net vom Teilen — ein hal­ber, zer­ris­sener und aufgeschlitzer Man­tel macht doch nichts mehr her! Ob er wohl auch ein wenig gefroren hat? Oder belächelt wurde ob sein­er ruinierten Kleidung?<br /​>
Was mögen seine Sol­daten­fre­unde gesagt haben? “Wie siehst du denn aus?” — “Wie läuf­st du denn herum?”<br /​>
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Geteilt ist erst geteilt, wenn der, der etwas abgibt auch <em>wirklich</em> etwas von sich ver­schenkt. So, dass man auch sieht und spürt und merkt: Ich habe geteilt.<br /​>
Ver­ste­ht mich nicht falsch: Es geht mir nicht darum, mit Wohltätigkeit zu prahlen.<br /​>
Aber ist unser Teilen heute nicht halb­herzig gewor­den? Ist es allzu “wohldosiert”? Gebe ich nur, wenn ich mir sich­er sein kann, auch nach­her noch “satt und genug” zu haben? Teilen als soziales “Wohlfüh­ler­leb­nis” für Schenk­ende und Beschenkte?<br /​>
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Das kann’s doch irgend­wie nicht sein, oder?