quer geflötet

Samstag, 21. April 2012

Eigentlich... also: Eigentlich wollte ich diesen Beitrag ja schon laaaange geschrieben haben!
Eigentlich sollte er direkt nach meinem Bericht aus der "Muziekcentrale" kommen... aber dann gab's erst einmal eine ziemlich lange Sendepause hier in meinem Blog.

Nun bin ich schon seit mehr als einem Jahr stolze und begeisterte Besitzerin einer neuen Querflöte. Meine alte Flöte, die ich vor etwa 25 Jahren (...ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr so ganz genau!) bekommen habe, ist doch schon sehr in die Jahre gekommen. Natürlich wurde sie im Laufe ihres langen Flötenlebens mehrfach in der Werkstatt eines kundigen Instrumentenbauers überholt und gewartet. Aber nach einem Vierteljahrhundert nagt eben auch der Zahn der Zeit an der feinen Mechanik der Querflöte.

Seit einiger Zeit spiele ich wieder regelmäßig - nicht zuletzt, seit ich das Ensemble "flötissimo!" für mich entdeckt habe, in dem ich jetzt jede Woche flöte. Eine neue Querflöte zu kaufen wäre mir ja noch vor drei, vier Jahren niemals in den Sinn gekommen. Aber vor einem Jahr dann habe ich den Gedanken "Och, eine neue Flöte wäre bestimmt auch richtig toll!" dann in die Tat umgesetzt.

Meine alte Flöte war ein Instrument von Pearl, einem japanischen Hersteller. Damals - also als ich mich in der Hoch-Zeit meiner Flötenkünste befand - war das schon eine gute und nicht ganz "billige" Wahl für ein Schülerinstument. Und auch heute bietet Pearl sehr gute Flöten für jeden Geschmack (und für fast jeden Geldbeutel) an. So war ich eigentlich sicher, dass auch meine neue Flöte eine von Pearl sein sollte.

Nun ja, da wurde ich spätestens im "European Flute Centre" von Adams eines besseren belehrt. Dass es viele Instrumente zum Ausprobieren gab, habe ich euch ja schon erzählt. Damals war die Entscheidung gar nicht so einfach - aber heute weiß ich, dass es absolut richtig war und ich mich für die ideale Querflöte entschieden habe.

"Sonaré" - diesen Namen kannte ich ehrlich gesagt bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht. Im Internet habe ich mich dann erstmal schlau gemacht: Sonaré ist quasi ein Ableger der amerikanischen Edelflötenmanufaktur Verne Q. Powell - allerdings mit für "serious intermediate flutists" erschwinglichen Preisen.
So kommt "meine Neue" also zu einem vollsilbernen Kopfstück aus der Powell-Signature-Reihe. Der "Rest" ist dann "made in USA" und von Sonaré. Aber nun genug der Fachsimpelei.

Nachdem ich also im bereits ausführlich beschriebenen Musikgeschäft etwas mehr als (m)ein Monatsgehalt gelassen hatte, durfte ich die Querflöte dann mein Eigen nennen.
Schnell ist mir klar geworden, dass dieses Instrument wirklich sein Geld wert ist: die Töne sprechen klar und kräftig an, die Mechanik "läuft" und ist federleicht im Spiel. Der kräftige aber keinesfalls zu harte Klang der Flöte ist echt ein Traum!

Natürlich liegt es auch an der Kondition und der guten Übung des Flötisten - aber selbst nach langer, langer Übungspause gelingt es mir, wirklich schöne und runde Töne in (fast!) allen Tonlagen zu spielen.

Im Gegensatz zu meiner alten Pearl-Flöte hat meine neue Flöte Ringklappen. Das bedeutet, dass die Klappen, auf denen Finger ruhen (ja klar, es gibt auch Klappen, auf denen kein Finger ruht) mit einem Loch versehen sind. Drückt man die Klappe, so dichtet der entsprechende Finger das Loch ab und der Ton erklingt. Einfach gesagt - aber in der Praxis gar nicht so leicht! 25 Jahre hatte ich mit geschlossenen Klappen musiziert - und jetzt das! Oft passiert es nämlich, dass die Fingerkuppe doch nicht optimal (=dicht!) auf der Klappe liegt - und dann gibt's eher einen "Heuler" als einen angenehmen Ton, weil die Luft doch noch durch die kleinsten Ritzen entweicht.
Glücklicherweise gibt es aber diese winzigen und überaus nützlichen Silikonstopfen, die die Ringklappen verschließen! Die habe ich anfangs immer reingetan und nach und nach herausgeholt, so dass erst ein Finger, dann zwei, dann drei die offenen Klappen ordentlich abdecken. Mittlerweile gelingt mir das ganz gut - nur beim linken Ringfinger gibt's oft noch Ärger... naja, warum habe ich auch so kurze Finger?

Meine Flöte hat keinen h-Fuß. Viele Flötenmodelle haben dies jedoch zur Auswahl. H-Fuß bedeutet, dass das Flötenrohr etwas länger ist, mehr Klappen hat und man anstatt "nur" bis zum c1 dann noch tiefer zum h1 kommt. Auf der Grafik seht ihr, wie solch ein verlängertes Endstück der Flöte aussieht.

Falls ihr Lust habt, euch mal auf der wunderschönen Webseite von Powell-Sonaré umzuschauen:
Der Link verbirgt sich hinter den beiden Grafiken. Es erklingt übrigens auch tolle Flötenmusik!

alter Kram! - 1.0

Samstag, 21. April 2012

Zugegeben - es ist schon eine ganze Weile her, dass ich mit einer Freundin im Freilichtmuseum Neuhausen (ob Eck) war. Genau gesagt schon gut und gerne acht Monate.
Aber ich möchte hier gerne noch ein paar Gedanken und Eindrücke aufschreiben, die mich doch bewegt haben damals.

Außerdem habe ich einige schöne Fotos gemacht, die ich euch ja nicht vorenthalten möchte! :o)

So ein Freilichtmuseum ist eben so, wie ein Freilichtmuseum so ist: Jede Menge alte Häuser und Höfe mit jeder Menge alter Sachen drin. Und viel schöne Natur drumherum. So ist es auch in Neuhausen.
Hört sich vielleicht langweilig an, isses aber gar nicht!

Zugegeben - ich schaue mir sehr gern solche alten Häuser an. Ich finde, sie haben immer viel zu erzählen. Ich tauche dann mit ihren Geschichten in eine andere Welt ein - eine Welt ohne Strom und fließendes Wasser, ohne Handy, Laptop oder PlayStation. Eine "einfache" Welt vielleicht - aber im Grunde doch eher eine Welt voller Mühen und Arbeit und Entbehrungen.

Diese alten Häuser inspirieren mich dann, mir vorzustellen wie ich zurechtkommen würde, wäre ich plötzlich in diese vergangene Welt zurückversetzt.
Meine geräumige Single-Wohnung würde ich eintauschen gegen eine Schlafstelle im zugigen Mehrbettzimmer. Nix mit eigenem Badezimmer, kuscheligem Bett, praktischer Einbauküche oder gar Privatsphäre!


Und neben meinen menschlichen Mitbewohnern gäbe es ganz bestimmt noch einige andere (...und weniger erwünschte) Untermieter in meiner Kammer...
Schnell wird klar, wie selbstverständlich ich heutzutage die Annehmlichkeiten des "modernen Lebens" sehe. Aber ist modern denn immer auch besser? Nun gut: Sauberes Wasser aus der Leitung, Strom aus der Steckdose und ein funktionierendes WC in erreichbarer Nähe - das sind keine Errungenschaften, deren Sinn mann in Zweifel stellen kann. Aber wieviel Luxus braucht der Mensch? Und: Kann es nicht auch Luxus sein, mit Weniger auszukommen?


Ich frage mich beim Anblick dieser alten Sachen immer: "Was brauche ich eigentlich wirklich? Und was von alldem, was ich da in meiner Wohnung horte, ist wirklich notwendig?"
Manchmal wünsche ich mir ein "einfaches" Leben - irgendwo in der Natur, in einem kleinen Häuschen mit Garten und alten Bäumen drumrum. Mit wenig Schnickschnack und wenig Kram. Aber ziemlich schnell wird mir auch klar: Das würde ich ohne ein Minimum an "technischen Errungenschaften" gar nicht lange aushalten. Vermute ich zumindest - denn ausprobiert habe ich es noch nie.

Nach drei, vier Stunden bin ich dann wieder aufgetaucht aus meinen Nostalgie-Gedanken. Angekommen beim Museums-Ausgang, der mich in null-komma-nix wieder in die Gegenwart befördert hat. Zurück zu Handy, Digicam und klimatisiertem PKW.
"Ein schöner Nachmittag!", da sind wir uns einig. Aber auch schön-nachdenklich, schön-interessant und schön-im-Grünen.




Un-Kraut

Samstag, 1. Oktober 2011

Mein Balkon ist - zugegebenermaßen - ein recht seltsames Biotop. Allerhand Zeugs wächst und gedeiht da - und damit meine ich nicht die gut gedüngten Balkonpflanzen in den Blumenkästen oder die knalleroten Geranien in der Blumenampel. Nein, auch nicht die Terracotta-Kräuterkisten... die sind schon vor längerer Zeit der "großen Dürre" zum Opfer gefallen.

Ehrlich gesagt: Mein Balkon ist eine ziemliche Ödnis. Zumnidest im Auge des ambitionierten Gärtners oder anderer Balkonbesitzer, die ihre 2,76 qm Frischluft mit üppigem Pflanzen- und Blumenschmuck zum heimischen "Naturparadies" machen. Bei mir stehen traurige Töpfe, Kästen und Tonschalen herum - gefüllt mit Blumenerde, wartend auf die große Blütenpracht... So warten sie eigentlich schon seit Beginn des Frühlings.
Tragischerweise habe ich auch hier nicht den "Dreh" gekriegt, ein paar Blümchen und Grünzeugs in der Gärtnerei nebenan zu erstehen, um diesen etwas traurigen Anblick mit ein paar frohen Farbtupfern zu verschönern.

Doch was rede ich... Seit einiger Zeit macht sich in meinen "leeren" Töpfen ungebetenes Grünzeug breit. Halme, Blättchen, Gräser oder sowas. Hat mich nicht weiter gestört - aber ich habe mich ja ohnehin nie um die ollen Töpfe draußen gekümmert.
Vor einigen Tagen nun wurde ich dann aber von seltsamen, knallorangen Tupfen in einem meiner Tonschalen überrascht. Blüht da etwas?

Ich habe keine Ahnung, was das für Gewächse sind. Ich weiß auch nicht, wie sie da hingekommen sind oder was um alles in der Welt sie bewogen hat, in sich in meinen ungastlichen Kästen und Schalen anzusiedeln. Aber sie sehen wunderschön aus und erfreuen mich jeden Tag. Natürlich bekommen sie jetzt auch regelmäßig einen Schluck Gießwasser, denn sie lieben die Sonne und da ist es - selbst jetzt im Herbst - schon mal richtig heiß.

Ich freue mich sehr an diesen kleinen ungebetenen Gästen in meinen Blumentöpfen.
Unkraut nennen es die einen... ich persönlich denke: "Das ist Leben - trotzdem und bunt."

Spätsommerfarben

Freitag, 30. September 2011

Lange, lange habe ich nichts geschrieben in meinem Blog... Die letzten Beiträge waren noch aus dem Juni 2011 - heute ist der letzte Tag im September.

Leider, leider habe ich im Sommer keine aufregenden Radtouren und tollen Wanderungen gemacht... Darum konnte ich hier im Blog auch kaum etwas berichten und keine netten Fotos einstellen.

Aber: In meinem Kopf schwirren noch Ideen für neue Blog-Einträge herum! Zum Einen will ich ein paar Bilder und Gedanken zu meinem allerersten Besuch in Berlin (im August 2011) hier loswerden. Und zum Anderen habe ich wieder jede Menge "nachdenkliches" im Kopf... mal sehen, was ich da so ausbrüte!

Für heute also erstmal ein paar Bilder des ersten bunten Herbstlaubes, die ich mit meiner Handy-Kamera bei einem kleinen Spaziergang entlang der Niers eingefangen habe.

unterwegs mit Chris

Sonntag, 22. Mai 2011

Gestern war Christoph zu Besuch bei mir in der Klinik. Das war natürlich sehr cool und eine willkommene Abwechslung am sonst zuweilen langweiligen Wochenende. Außerdem hat er mir noch einige Sachen von zuhause mitgebracht, an die ich bei aller Eile des Kofferpackens nicht gedacht hatte.

Nachdem wir also gemeinsam in der Klinik zu Mittag gegessen hatten, haben wir uns bei super-Sonnenschein aufgemacht in die Weinberge. Naja, eigentlich wollten wir ja nicht in die Weinberge, sondern zum ehemaligen Regierungsbunker. Den wollten wir uns anschauen und auf dem Weg dorthin noch ein, zwei GeoCaches suchen.

Nach etwa zwanzig Minuten bergauf (keuch!) kamen wir dann an - am ehemaligen "Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland". Eine Fassade aus Beton, Beton, Beton und Stahl - sehr eigentümlich in der ansonsten grünen Umgebung des Waldes - fällt den Besuchern des Museums Regierungsbunker sofort ins Auge. Um 14.30 Uhr konnten wir an einer Führung durch den Bunker teilnehmen. Die Wartezeit haben wir uns mit einem kühlen Getränk und einem kleinen Abstecher in Richtung "Bunkercache" verkürzt.

Am Bunker war viel los, so dass sich vor und hinter uns etliche andere Gruppen befanden, die sich das Bauwerk auch anschauen wollten.
Es war schon sehr unheimlich, durch die vielen Stahltüren und -tore zu gehen und in dieser tunnelartigen Röhre immer weiter in das Innere des Bergs vorzudringen.

Die Geschichte des Bauwerks ist recht interessant: Um 1914 begann man mit dem Tunnelbau für eine strategische Eisenbahnlinie vom Ruhgebiet nach Lothringen. Diese Eisenbahnlinie wurde aber nie fertiggestellt, und so wurde der Tunnel, der zwischen Ahrweiler und Dernau etliche Kilometer durch den Berg verlief, anderweitig genutzt. Zur Zeit des zweiten Weltkriegs beispielsweise als Produktionsstätte für Waffen. Auch KZ-Häftlinge mussten hier arbeiten.
Nach dem Krieg wurden dann die Eingänge sowie einige Teile des Tunnels von den fanzösischen Streitkräften gesprengt - halbherzig und ohne großen Schaden anzurichten, wie sich später herausstellen sollte.

In den 50er Jahren schon wurde mit den Planungen und Überlegungen für den Bau einer solchen Anlage begonnen. Alles natürlich: "Streng geheim!" In den 60er Jahren begann dann der eigentliche Ausbau. Der dauert bis 1970. Es entsteht ein unterirdisches Bauwerk mit vielen Gängen, Schächten und Verbindungen, die eine Gesamtlänge von ca. 17 km haben. In manchen Bereichen ist der Bau sogar zweigeschossig: im unteren Bereich sind Büros und Räume mit offiziellen Funktionen, im oberen Stockwerk liegen Schlafräume und Sanitäre Anlagen der "Tunnelbewohner".

Nach dem Ende des "Kalten Krieges" fiel in den 90er Jahren der Entschluss, die Bunkeranlage im Ahrtal stillzulegen. Sämtliche Einrichtungen und Ausbauten sollten schrittweise zurückgebaut werden. Mit diesem Unternehmen wurde 2001 begonnen. Nach fünf Jahren war der größte Teil dieses beeindruckenden Bauwerks verschwunden - sogar die Farbe wurde von einer Firma mit Spezialgerät von den Tunnelwänden entfernt.
Am 1. März 2008 öffnete das Museum seine Pforten. Nur ein kleiner Teil der Anlage (etwa 400 m) ist vom Rückbau verschont geblieben; in ihm wurden Räume und Büros eingerichtet (mit Inventar aus dem alten Bunker), die heute als Museum dienen.

Mehr Infos über den "Ausweichsitz" findet ihr auf dieser Webseite
Leider ist das Fotografieren in der Anlage nicht erlaubt. Darum stelle ich hier einige Bilder ein, die ebenfalls von o.g. Webseite stammen.

Achso: Natürlich ging unsere Wanderung dann noch weiter! Nach dem Bunker kamen die Caches, die wir nach kurzer Suche (oder ganz ohne Suche!) aufstöbern konnten. Dann noch einen leckeren Kaffee auf dem Markt in Ahrweiler getrunken - was will man mehr? Ein perfekter Samstagnachmittag.

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